Gleisbildstellwerk Bauform GS II A 68


 

Gleisbildpult eines GS II A 68 - Stellwerks, links der LochstreifenleserDas automatische Ablaufstellwerk ist aus Bauteilen der Bauform GS II DR aufgebaut. Der Umfang der übernommenen bzw. modifizierten Baugruppen ergibt sich aus den Zielstellungen für das automatische Ablaufstellwerk. Der VEB Werk für Signal- und Sicherungstechnik Berlin liefert seit 1958 für die Deutsche Reichsbahn automatische Ablaufstellwerke in Relaisstellwerkstechnik. Um die für eine weitere Rationalisierung der Rangierbahnhöfe unter Beachtung der Automatisierung der Bewegungsvorgänge in der Ablaufanlage gewonnenen Erkenntnisse in die Praxis umzusetzen, überarbeitete der VEB WSSB Ende der sechziger Jahre die bisherige Ausführung des automatischen Ablaufstellwerks. Es erhielt die Bezeichnung GS II A68.
An die Funktion des automatischen Ablaufstellwerks werden folgende grundsätzliche Forderungen gestellt: 
  • Das Gleisbild muss auf dem Stelltisch nach gebildet sein.
  • Alle Weichen der Ablaufanlage z. B. auch die während des Ablaufbetriebes ausschließlich stumpf befahrenen werden von einem Stelltisch aus überwacht und im Störungsfall durch Betätigung der Bedieneinrichtung um gestellt.
  • Die Verteilweichen müssen sich nach einem vorgegebenem Programm selbsttätig umstellen.
  • Die Ausleuchtung muss die Endstellung und das Besetztsein der Weichen (in Verbindung mit den Freimeldeanlagen) erkennen lassen.
  • Die Gestaltung der Gleisfreimeldeabschnitte an den Weichen muss eine dichte Ablauffolge und damit eine hohe Leistungsfähigkeit der Ablaufanlage ermöglichen.
  • Die ordnungsgemäße Arbeit der Anlage anhand der Überwachungseinrichtungen und der Betriebsablauf müssen von einem Beschäftigten erfasst werden können. Mit einer Einzelweichenbedienung sollte nur ein Beschäftigter betraut werden, um Missverständnisse zu vermeiden, die bei der Arbeit mehrerer Personen am Gleisbildstelltisch eintreten könnten.
  • Der Weichenwärter muss sitzend arbeiten und über den Gleisbildstelltisch die Verteilweichenzone einsehen können.

Folgende ergänzende Forderungen an das Ablaufstellwerk GS II A68 wurden gemeinsam vom VEB WSSB und der Deutschen Reichsbahn erarbeitet:

  • Einspeicherung des Laufzielauftrags und der Ablaufnummer in den Fünffachspeicher unter Verwendung eines Lochbands,
  • automatische Falschläufermeldung,
  • Weichenfreimeldung wahlweise als Gleisstrom- oder Achszählkreis,
  • Bereitstellen von Informationen für das Steuern der Gleisbremsen und für einen Prozessrechner zur Steuerung aller rangiertechnischen Einrichtungen,
  • Einsatz von Drehstrom-Weichenantrieben,
  • Stromversorgung für Drehstromweichenantriebe.

Hauptteile der Weichenstellautomatik sind:
- Relaisanlage,
- Einwirkstellen am Gleis, (Freimeldeanlagen, punktförmige Gleisschaltmittel),
- Weichenantriebe,
- Überwachungs- und Bedieneinrichtungen (Gleisbildstelltisch und Speicherbedienungseinrichtungen),
- Stromversorgungsanlagen.

In der Regel werden die Relaisanlagen und alle Überwachungs- und Bedieneinrichtungen im Ablaufstellwerk untergebracht. Für die Weichenstellautomatik gibt es zwei Speicherprinzipien: das Weichenspeichersystem und das Laufspeichersystem. Beim Weichenspeichersystem ist jeder Weiche eine Speichereinrichtung zugeordnet, die eine doppelte Aufgabe hat. Sie speichert zunächst die Umstellaufträge und schaltet später den Weichenantrieb unter Mitwirkung des Ablaufs selbsttätig an. Durch Bedienen einer Gleisgruppentaste wird ein Fahrwegauftrag für einen Ablauf erteilt, der selbsttätig in so viele einzelne Aufträge zerlegt wird, wie automatisch umlaufende Weichen in diesem Fahrweg vorhanden sind. Jeder einzelne Weichenspeicher empfängt einen Einzelauftrag, der als Auftrag für eine spätere Plus- oder Minusstellung eingespeichert wird. Alle selbsttätig umlaufenden Weichen legen sich beim Einspeichern sofort in die richtige Lage für ihre Erstbefahrung. Sobald der Ablauf die Isolierung der Weiche geräumt hat, läuft die Weiche in die Stellung für den nächsten Ablauf. Der Nachteil des Systems wird bei zu dichter Wagenfolge sichtbar. Holt der Nachläufer den Vorläufer ein, fahren beide Abläufe auf einen Befehl über die Weichen, und alle folgenden Abläufe geraten in Unordnung. Die richtige Bedienung der zusätzlichen Einrichtungen für die nachträgliche Änderung der Abläufe erfordert große Übung und Geschicklichkeit des Bedieners. Beim Laufspeichersystem stellt der Ablauf den Fahrweg seinem Ziel entsprechend selbst; der Laufzielauftrag wird unter Mitwirkung des Ablaufs von Weiche zu Weiche weitergeschaltet. Beim Befahren eines Schalteinwirkungselements, z. B. des Isolierabschnitts einer Weiche, wird die nächste Weiche in die dem Laufziel entsprechende Stellung gebracht. Bei einer zu dichten Ablauffolge geht der Befehl des Nachläufers verloren, er läuft seinem Vorgänger nach; für alle folgenden Abläufe werden die Weichen wieder programmgemäß umgestellt. Außerdem lassen sich die eingespeicherten Befehle verhältnismäßig einfach und schnell ändern. Beim Ablaufstellwerk GS II A68 wird das Laufspeichersystem angewendet. Alle von Abläufen spitz befahrenen Weichen werden entsprechend den vorgegebenen Laufzielen automatisch gestellt. Die zur Bedienung des Ablaufstellwerks wichtigste Einrichtung ist der Gleisbildstelltisch, auf dem sich die Einzelelemente zur Betätigung und Überwachung der Weichenstellautomatik befinden. Die Laufzielaufträge (Richtungsgleisnummern) werden über die Speicherbedienungseinrichtungen eingegeben. Das Lochband wird im Lochbandabtaster maschinell gelesen, ausgewertet und dem Fünffachspeicher (Vorspeicher) zugeführt. Der Fünffachspeicher arbeitet nach dem Altersstufenprinzip. Es können bis zu fünf Laufzielaufträge und Ablaufnummern gespeichert und der Reihe nach an die 1. Verteilweiche weitergegeben werden. Nach jedem Ablauf kann in die frei gewordene Speicherzeile nachgespeichert werden. Jeder Weiche sind ein Freimeldeabschnitt, eine Relaissteuereinheit und ein Relaisspeicher für die Laufziele zugeordnet. Der Freimeldeabschnitt verhindert das Umstellen einer besetzten Weiche und wird aus einem Gleisstromkreis gebildet, dem ein Impulsgeber am Gleis als Löschkontakt nachgeordnet ist. Beim Einschalten der Weichenstellautomatik wird der 1. Verteilweiche ein Laufzielauftrag aus dem gefüllten Fünffachspeicher zugeführt. Liegt die Weiche falsch, wird sie automatisch umgestellt. Die Laufzielaufträge werden von Weiche zu Weiche, in Abhängigkeit von deren Frei- und Besetztzustand, weitergegeben (spezielle Form des Laufspeichersystems). Beim Freifahren des Isolierabschnitts einer Weiche löscht die letzte Achse des Ablaufs mit dem Befahren des Impulsgebers den Laufzielauftrag. Ist die Entfernung zwischen zwei Weichen größer als der zu erwartende dichteste Abstand zweier Abläufe, sind zur ordnungsmäßigen Weiterschaltung der Laufzielaufträge eine oder mehrere sog. Zwischenreihen zwischen den Weichen anzuordnen, wobei ein besonderer Impulsgeber am Gleis für die Weiterschaltung und Löschung der Laufzielaufträge sorgt. Die Laufzielaufträge von Falschläufern werden sowohl in den Weichen als auch in den Zwischenreihen automatisch gelöscht, so dass alle folgenden Abläufe ihre richtigen Laufzielaufträge erhalten. Die durch Einholen entstandenen Falschläufer werden dem Wärter unter Angabe des Soll- und Istgleises optisch und akustisch angezeigt. Der Aufbau der Einrichtungen wird in den folgenden Abschnitten beschrieben. Die Weichenstellautomatik sollte für Ablaufanlagen mit einer Bergleistung ~ 2500 Wagen/Tag vorgesehen werden. Bei Ablaufanlagen mit geringerer Belastung können Stellwerke in Gleisbildstellwerkstechnik errichtet werden, jedoch zur Verringerung der Kosten gegenüber den Aufwendungen beim automatischen Ablaufstellwerk unter Verzicht auf die automatische Umstellung der Weichen (keine Einspeicherung der Laufzielaufträge). Die damit notwendig werdende Einzelumstellung jeder Weiche durch den Weichenwärter ist bei Bergleistungen ~ 2500 Wagen/Tag vertretbar.