Gleisbildstellwerk Bauform GS II Sp 64


Das Stellwerkssystem GS II Sp 64 ist gekennzeichnet durch die Verwendung von

  • Signalrelais der Bauform II (Klein- und Haftrelais)

  • Steckbarkeit der Verbindungen in der Relaisanlage (steckbare Kabel)

  • Gruppenrahmen in geschlossener Bauform GS II Sp

Die Anwendbarkeit des GS II Sp 64 bei verschiedenen Eisenbahnverwaltungen mit unterschiedlichen eisenbahnbetrieblichen Bedingungen machte es erforderlich, das System veränderlich zu gestalten. Es entstanden die Varianten:

"a" für Industriebahnen

"b" für kleine und mittlere Bahnhöfe der Deutschen Reichsbahn

"c" für die Berliner Untergrundbahn (U-Bahn)

"d" für ausländische Staatsbahnen

Eine Übersicht zu den charakteristischen betrieblichen Eigenschaften dieser Varianten gibt die nachfolgende Tabelle.

  GS II Sp 64
1. Bedienung mit 2 Tasten: a b c d
- Start-Ziel-Tasten für Fahrstraßeneinstellung X X X X
- Einzeltaste mit Gruppentaste für spezielle Funktionen X X X X
2. Automatische Vorgänge nach Start-Ziel-Bedienung:        
- Weichenstellung X X X X
- Flankenschutzsuche X X X X
- Durchrutschwegsicherung   X X X
- Gleisfreimeldung X X X X
- Sicherung von Wegübergängen mit Überwachung   X   X
- Signalfahrtstellung X X X X
- Signalfahrtstellung mit Annäherung   X X X
- Auflösung der Fahrstraßenteile nach Räumung X X X X
- Streckenblockung X X X X
- Durchrutschwegauflösung   X X X
- Rangierfahrstraßenbildung mit Flankenschutz mit Gleisfreimeldung       X
- Rangierfahrstraßenbildung mit Flankenschutz ohne Gleisfreimeldung    X    
- Fahrstraßenspeicherung wegen eingestellter feindlicher Fahrstraßen   X X X
- Umfahrstraßen nach zusätzlicher Bedienung X X   X
3. Gruppenbedienungen        
- frei stellbare Rangiersignale X X   X
- Nahbedienungsfreigaben   X   X
- Ersatzsignalstellung X X X X
- Weichen-Einzelumstellung auch bei gestörter Isolierung X X X X
- Weichen-Hilfssperrung X X X X
- Zielsperrung   X   X
- Speicherlöschung   X X X
- Fahrstraßen-Rücknahme X X X X
- Fahrstraßen-Hilfsauflösung X X X X
- manuelle Durchrutschweg-Auflösung   X   X
- Vorblockung bei Störung X X   X
- Rückblockung bei Relaisblock X X   X
- Erlaubniswechsel X X   X

 

Bei diesem System wird der Fahstraßenauf- und -abbau, einschließlich Flankenschutz und Durchrutschweg über das 30adrige steckbare Spurkabel ausgeführt. Es enthält auch die Steuerung der Signalbegriffe in Abhängigkeit von der Weichenlage und vom Begriff des folgenden Signals.
Die Weichenantriebe werden über 4 Kabeladern mit Drehstrom 380 V betrieben und mit Gleichstrom überwacht. Die Speisung der Haupt- und Vorsignale erfolgt bei den Varianten b und d mit 180 V über Lampentransformatoren und bei den Varianten a und c über 0,5-A-Stromkreise mit Wechselstrom wie bei Ersatz- und Rangiersignalen. In der Variante d werden die Rangiersignale mit 180 V betrieben. Die Signalbegriffe entsprechen den Signalsystemen der Eisenbahnverwaltungen.

 

 

Das erstes Stellwerk der Bauform GS II Sp 64b bei der Deutschen Reichsbahn wurde am 27.03.1969 im Bahnhof Radebeul West in Betrieb genommen und ist noch heute nach zahlreichen Erweiterungen in Betrieb.

Lageplan des ersten GS II Sp 64b-Stellwerks in Radebeul Ost (Stand 1969)

   

Stw B1 des Bahnhofs Bad Schandau (03.05.2001)

Viele der ab ca. 1970 in Betrieb genommenen Gleisbildstellwerke des Typs GS II Sp 64 b wurden in tschechoslowakischen Typenbauten untergebracht. Neben einem Flachbau, der die Relais- und Stromversorgungsräume enthielt wurde ein Stellwerksturm aufgestellt. Auf Grund des recht geringen Platzbedarfs dieser markanten Türme konnten sie zentral im Gleisumfeld aufgestellt werden.

Auf der Elbtalstrecke Schöna - Dresden wurden diese Bauten während der umfassenden Modernisierung der Strecke zwischen 1971 und 1976 z.B. in Bad Schandau Ost, Bad Schandau (siehe nebenstehendes Bild), Heidenau und Dresden-Reick errichtet.